Bewertungssystem

Die Basis der Bewertung bilden die nachgewiesenen Rückstände in einer Probe. Jeder Rückstand wird anhand bestimmter Kriterien bewertet (siehe Rückstandsbewertung). Die Ergebnisse daraus wirken sich auf die Beurteilung der einzelnen Probe aus, die dementsprechend entweder mit „Rot“, “ Gelb“ oder „Grün“ benotet wird. Die Auswertung aller Proben führt dann zur Einstufung des jeweiligen Lebensmittels und seiner Herkunft (siehe Bewertung der Lebensmittel und Herkünfte).

Die Bewertungsmethoden sind im Detail sehr komplex. Deswegen wurde ein Glossar  eingerichtet, um die verwendeten Begriffe zu erklären.

Auswahl der Proben

Die staatlichen Labore untersuchen nicht jedes Lebensmittel auf alle möglichen Schadstoffe. Wenn relevante Schadstoff-Lebensmittelkombinationen (z.B. giftige, langlebige, bio-akkumulative Schadstoffe in Wildtieren, Fischen, Wildpilzen) nicht getestet werden, käme es dadurch in einigen Fällen zu einer falschen Gesamtbewertung. Um eine falsche Bewertung zu vermeiden, werden Proben, die unzureichend getestet wurden, teilweise ausgeschlossen.

Rückstandsbewertung

Die Bewertung der einzelnen Rückstände in den Lebensmitteln basiert auf fünf Bewertungskriterien:

  1. gesetzlich erlaubte Höchstgehalte, rechtlicher Status (Verbot),
  2. dem BNN – Orientierungswert für Lebensmittel aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA.),
  3. prozentuale Ausschöpfung der Grenzwerte (ADI/TDI & ARfD),
  4. allgemein anerkannte Dosisunabhängigkeit (starke Giftigkeit, kein Schwellenwert) und
  5. die Höhe des Gehalts.

Die Bewertung der Proben erfolgt nach dem Ampelsystem („Rot“, “ Gelb“ „Grün“).

Für alle Pestizide wird das Bewertungssystem von Greenpeace (web link) Deutschland verwendet. Die Summe der gesetzlich erlaubten Höchstgehalte wird aber nicht als Bewertungskriterium verwendet. Dieses Kriterium hat keine toxikologische Relevanz und da die Höchstgehalte ständig angepasst werden, sind Höchstgehalte nicht einmal für eine Beobachtung von Trends geeignet.

Pestizidrückstände in Lebensmitteln aus kontrolliert biologischem Anbau werden außerdem anhand der Orientierungswerte des Bundesverband Naturkost Naturwaren Herstellung und Handel (BNN) bewertet.

Für andere Kontaminanten, Arzneimittelrückstände und Toxine gilt: Lebensmittel ohne den Nachweis von Rückständen werden mit „Grün“ bewertet. Proben, deren Rückstände in der Summe unter bestimmten Grenzen (prozentuale Ausschöpfung der Grenzwerte (ADI/TDI & ARfD) < 5%) liegen, werden ebenfalls mit „Grün“ bewertet.

Ein „Rot“ bekommen Proben wenn,

  1. ein Rückstand den gesetzlich erlaubten Höchstgehalt überschreitet oder,
  2. ein Rückstand einer verbotenen Substanz nach Verordnung 37/2010/EC oder anderem Lebensmittelrecht,
  3. ein sehr giftiger Stoff ohne Schwellenwert darin vorkommt oder,
  4. wenn die Summe der prozentualen Ausschöpfung der Grenzwerte (ADI/TDI  oder ARfD) 20% übersteigt. Dadurch wird die mögliche kumulative Wirkung durch mehrere Stoffe (Mehrfachbelastung) berücksichtigt.

Die übrigen Proben werden mit „Gelb“ bewertet – sie befinden sich zwischen „Grün“ und „Rot“. Eine „Gelb“-Wertung bekommen außerdem Proben, in denen Stoffe enthalten sind, die nicht zu bewerten sind. Das betrifft aber nur verhältnismäßig wenig Proben.

Bei der Bewertung werden, wenn nötig Verarbeitungsfaktoren und die individuellen Fettgehalte (bei der Bewertung von Dioxinen, Dibenzofuranen und PCBs) berücksichtigt.

Bewertung der Lebensmittel und Herkünfte

Die Herkunftsländer werden nach dem gleichen Schema bewertet, wie im Greenpeace Ratgeber „Essen ohne Pestizide“ 2012:

  • Produktionsländer mit > 33% „Roter“ Proben werde mit „Rot“ bewertet. „Grün“ bekommen Herkünfte, bei denen mindestens 50% der Proben „Grün“ sind, aber weniger als 10% „Rot“. Alle übrigen sind „Gelb“. 
  • Lebensmittel, die in den drei Jahren immer über 90% „Grün“ waren und < 1% „Rot“ werden generell als „Grün“ eingestuft. Ein generelles „Rot“ bekommen Lebensmittel mit > 90% „Rot“.

Lebensmittel und Herkunftsländer werden erst ab einer Probenzahl von mindestens 10 bewertet.